Anekdoten

einer unerschrockenen, bemerkenswerten Frau

  • Evas Vater, der Förster Gustav Schnell, kommt zu ihrer Geburt am 13.3.1922 zu spät: Eva ist schon da.
  • Während des Krieges zum Arbeitsdienst eingezogen findet sie eigene Spielräume. So sorgt sie für gute Verpflegung (der Bäcker lieferte ganze Bleche mit frischem Kuchen, statt Kantinenkost) und Unterhaltung: mit den Bauernmädchen inszeniert sie ein Rokoko-Stück mit aufwändigen Kostümen.

  • Den Weg nach Berlin zur Kunstakademie muss sie sich nach dem Tod des Vaters regelrecht erkämpfen – Mutter Frida hätte Sekretärin bei der Bank vorgezogen.
  • Den Rest zu ihren 50 Reichsmark von zu Hause verdient sie sich mit Malen.
  • Eine Uni ist ihr nicht genug; sie studiert gleich an dreien: Dresden, Berlin und Straßburg.
  • In der Kunstakademie verschafft sie sich freies Wohnen gegen Brandwache und freien Theaterbesuch gegen ein freundliches Gesicht beim Pförtner.
  • Zur Pause beim Aktzeichnen serviert sie frisch gebackenen Napfkuchen.
  • Geht, unternehmungslustig wie sie immer ist, sofort nach Dresden, als das Studieren in Berlin wegen des Krieges unmöglich wird.
  • Dort zeigt sie spazierend auf ein Atelierfenster und sagt: „Das nehme ich!“ – fragt nach und bekommt es. Und die nachbarschaftliche Freundschaft von Dr. Bendorf und die Zuwendung des Lehrers Bernhard Dörries obendrein.
  • Bis sie – ausgebombt – nach Westen fliehen muss, mit dem Fahrrad und ihrem Freund Hans, ins Rheinland nach Rheydt. Unterwegs sammelt sie mithilfe eines Besenstils, an dem unten ein Nagel war, die Kippen auf, die die Amerikaner aus ihren Autos werfen. Der Vordermann brüllt: „Achtung Kippe!“, am Ende des Tages haben sie eine Tabaksdose voll mit goldgelbem Tabak!
  • In Deutschland gibts keine Männer mehr, erkennt sie, kauft sich einen gelben, weiten Designermantel und trampt mit 150 Mark nach Paris. Dort sieht sie zum ersten Mal Picasso und die Kunst, die ihr während des Studiums in Nazideutschland nicht gezeigt worden ist.
  • Dort lernt sie dann auch den jungen Schweizer Maler André kennen und verführt ihn.
  • Im Schuldienst unterrichtet sie anfänglich zwei Fächer, Deutsch und Kunst.Als sie merkt, dass sie mit all den Korrekturarbeiten für Deutsch keine Zeit mehr für ihre Familie hat, „sorgt“ sie mit ungewöhnlich kreativen Seminarmethoden für Abhilfe: Bei einem Grammatik-Spiel steht die halbe Klasse auf Stühlen und Tischen, während der Direktor zur Visite kommt. Fortan wird sie vom Deutschunterricht entbunden.
  • Für die textilen Großprojekte spannt sie alle Klassen ein. Im Kunstraum unter dem Dach liegt auf dem Boden der riesige Teppich. Die Entwürfe sind von Sextanerinnen – wegen der gestalterischen Frische – und alle anderen Schülerinnen liefern kleine Webkunstwerke und Stricklieselbänder zur Umsetzung. Für einen Meter Stricklieselumrandung gibt es eine Eins. Deshalb arbeiten zuhause auch Omas und Opas fleißig mit.
  • Ihr Kunstunterricht ist geprägt durch Begeisterung und Phantasie: den Begriff des Komplementär-Kontrastes z.B. lernen die Kunstschülerinnen so: Eva erteilt die Aufgabe, mit sämtlichen Rottönen des Malkastens ein Gebirge zu malen und anschließend darin ein kleines grünes Männchen zu verstecken, das sie suchen kommt.
  • In die zu dieser Zeit üblichen Poesiealben, die die anderen Lehrerinnen mit braven Sprüchen in zierlicher Handschrift füllen, zeichnet sie mit einem Bündel Farbstifte ein liegendes Oval mit einigen Senkrechten (als Kerzen) und schreibt dazu: „Statt Worte – eine Torte!“
  • Ihr freimütiger Umgang mit der Kunst zeigt sich insbesondere bei den Museumsexkusionen. Sie steht zum Beispiel mit Studenten in Haarlem in einem Picassoraum, schaut sich darin um und erläutert: „Ihr wisst ja, Picasso hat jeden Tag ein Bild gemalt. Ist halt nicht immer was geworden!“
  • Als man ihre Abteilung Textilgestaltung an der Pädagogischen Hochschule Essen nach 12 Jahren schließt, trotz vieler Hörer und großem Erfolg, sagt sie lakonisch: „Das Bauhaus hat auch nur 10 Jahre gedauert.“

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Biographische Anekdoten Eva Thomkins